Ostsee Exkursionen der FG Meeresaquaristik BB

Die Ostsee Exkursionen der Fachgruppe Meeresbiologie Berlin

Ein fester Bestandteil unserer Aktivitäten sind die seit 1962 stattfindenden Fahrten zur Insel Poel. Ursprünglich dazu gedacht, das dürftige Angebot an Seewassertieren aufzubessern, entwickelte sich im Laufe der Jahre daraus eine beliebte Veranstaltung für viele Aquarianer. Die gemeinsamen Aktivitäten, der Erfahrungsaustausch, die Futterbeschaffung und Tierbeobachtungen sowie ein paar Tage der Entspannung mit Gleichgesinnten sind immer noch Motivation an diesen Traditionen festzuhalten. Ab 1975 wurden Fauna und Flora durch regelmäßige Beobachtungen dokumentiert um Vergleiche mit vorangegangenen Fangergebnissen zu ermöglichen.

Durch eine Vielzahl an Faktoren, die diese Art der Statistik beeinflussen, ist eine Aussage zu gesicherten quantitativen und qualitativen Angaben allerdings nicht möglich. Sie erlauben lediglich Rückschlüsse über das Vorkommen von Arten, die beim Schnorcheln und Tauchen in unmittelbarer Strandnähe anzutreffen sind. Einen besonderen Einfluss haben die gelegentlichen Einbrüche an Salzwasser in den westlichen Teil der Ostsee auf das Vorkommen von bestimmten Arten. Die Insel Poel wurde aus diesem Grund als ein vielversprechendes Fanggebiet ausgewählt. Man darf dabei nicht vergessen, dass die für viele Jahre geschlossene Grenze ein weiter westlich liegendes Fanggebiet unerreichbar machte. Dennoch ist trotz des heute nicht mehr im Vordergrund stehenden Bedarfs an diesen Seewassertieren die Exkursion, die liebevoll OSEX genannt wird, auch nach der Wiedervereinigung interessant geblieben. In Deutschland existiert immer noch eine kleine Gemeinde an Liebhabern von Kaltwasseraquarien, die sich auf diesem Wege ihre Tiere und Pflanzen beschaffen. Einige der heimischen Tiere werden heute in tropischen Aquarien gehalten und bisweilen sogar vermehrt. Dazu zählt beispielsweise die hübsche Garnele Palaemon elegans, die sich auf Grund ihrer extremen Anpassungsfähigkeit dafür bestens eignet. Ein gelegentlich durchgeführter Wasserwechsel mit dem Naturwasser aus der Ostsee für das heimische tropischen Aquarium wirkt sich positiv aus; diese Methode wird seit vielen Jahren von uns mit Erfolg praktiziert. Interessant sind die heimischen Gewässer durch ihr großes Angebot an Zooplankton, welches sich bestens für eine Futterzucht eignet und für die Züchter von Seewassertieren eine echte Alternative zu vielen Futtermitteln sind.

In den vergangenen Jahren wurden daher sechs verschiedene Tiergruppen besonderer Aufmerksamkeit unterzogen, da sie oftmals die Basis der Seewasseraquaristik auf Grund der beschränkten Verfügbarkeit von Meerestieren bildeten. Sie waren relativ leicht in den Seegraswiesen in hoher Zahl zu erbeuten und ihr Merkmal ist eine relativ gute Anpassungsfähigkeit an Aquarienbedingungen. Viele Tiere sind zudem sehr tolerant gegenüber Temperatur- und Salzdichteschwankungen- ein wichtiges Kriterium der Haltbarkeit unter den damaligen Bedingungen und technischen Möglichkeiten. Zehnfußkrebse, Schlangen- und Seenadeln, Grundeln, Stichlinge, Plattfische und weitere diverse Fischarten (dazu zählten Aalmutter, Seeskorpion, Seehasen) waren die Tiergruppen, denen man diese Aufmerksamkeit widmete; also überwiegend aquaristisch nutzbare Tiere.

Während wir in den Jahren seit 1975 regelmäßig diese sechs verschiedenen Tiergruppen beobachteten, fehlten uns Belege zum Vorkommen an Plankton und dessen Zusammensetzung. Die Dokumentation der Sandlückenfauna aus den Seegraswiesen, dem Spülsaum und weiteren besonderen Bereichen in Hafennähe sowie den Festsubstraten der Hafenmole sind für eine umfassende Beschreibung erforderlich, da diese Populationen erheblichen Einfluss auf das Vorkommen von Fischen und Wirbellosen haben. Sicherlich ergeben sich aus diesen Beobachtungen im Laufe der Zeit Möglichkeiten der Anwendung in der privaten Aquaristik, Futterzucht oder bei der Einrichtung eines Heimataquariums mit der gezielten Nachbildung eines bestimmten Abschnitts aus diesen Lebensräumen.

Betrachtet man die heutigen technischen Möglichkeiten, das Basiswissen und die Formen der Kommunikation, über die wir verfügen, so ist die Voraussetzung solch ein Heimataquarium zu betreiben auf eine ganz andere Basis gestellt, wovon man vor vielen Jahren nur träumen konnte. Es gibt zwar immer noch erhebliche Einschränkungen wie ein umfassendes und aktuelles Literaturangebot, mangelnde Vorbildwirkung durch öffentliche Aquarien aber auch gute Ansätze um diese Form der Aquaristik zu betreiben. Ich kann Ihnen versichern, dass es dennoch durchaus eine Herausforderung sein kann ein Habitat über eine längere Zeit nachzubilden. Attraktiv sind Tier- und Pflanzenwelt jedenfalls, sie können sich selbst beim Schnorcheln durch die Seegraswiesen oder beim Tauchen an der Mole am Hafen überzeugen.

Auf der Insel Poel sind nicht nur die Tiere und Pflanzen der Gewässer interessant sondern auch die Landpflanzen im Übergangsbereich zwischen Land und Meer, einem Überschwemmungsgebiet. Sie bilden besondere Zonen und eine außergewöhnliche Flora aus, die eine Besonderheit in der Wismarbucht darstellt. Sie ist sehr artenreich und farbenprächtig und verdankt ihre Entstehung und Erhalt der extensiven Bewirtschaftung durch den Menschen; hier sind ökologisch besonders wertvolle Vegetationsformen zu finden. Eine Führung durch einen Abschnitt der Seegraswiesen ist daher sehr empfehlenswert und eine Bereicherung für den Naturfreund. Vielleicht gelingt es ja solch ein Ausschnitt einmal in Teilen nachzubilden, eine sicherlich sehr anspruchsvolle und spannende Aufgabe für einen Spezialisten.

Um Ihnen Gelegenheit zu geben mit uns gemeinsam an solch einer Expedition teilzunehmen, laden wir Sie ein gemeinsam mit uns, in der Zeit vom 07.09. bis 09.09.2018 auf dem Zeltplatz „Am Leuchtturm“ in Timmendorf Insel Poel, ein paar Tage zu verbringen.

Unsere Aktivitäten sind Tierfänge mit Dredsche und Strandwade, Planktonfang und Untersuchung, Erfassung bestimmter Bereiche der Sandlückenfauna; gemeinsam mit unseren Rostocker Freunden werden Führungen und Vorträge organisiert. Um nicht zu sehr von der Witterung abhängig zu sein, bauen wir ein großes Zelt auf oder nutzen das Kino des Zeltplatzes für Vorträge. Wanderungen am Steilkliff und durch die Seegraswiesen sind weitere Aktivitäten an denen Sie sicher Gefallen finden werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dietmar

FG-Meeresaquaristik Berlin-Brandenburg