Lebendfutter Teil 2: Technisches Equipment

Die Züchterei an sich ist teuer genug, mein Budget nicht unbeschränkt und ein gewisses Augenmaß zwischen Aufwand und Nutzen ist daher angebracht. Und da kommt so einiges zusammen... Wirtschaftlich wird es nur wenn es gelingt große Mengen mit hohen Qualitätsstandart zu produzieren. Der Absatz der Tiere ist für Züchter bisweilen problematisch und wenn das nicht funktioniert, entstehen Kosten die man nicht decken kann. Deshalb ist es für Unternehmen einfach nicht wirtschaftlich genug, sich mit dieser Problematik zu befassen und Zwänge wie Importbeschränkungen existieren nicht. So sehe ich in der nächsten Zeit keine Änderung der Situation, Nachzuchttiere vor Import zu bevorzugen. Längerfristig allerdings schon, einfach weil die Ressourcen nicht unerschöpflich sind und das könnte sich innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne ändern. Damit will ich den Züchterblick auf trübe, ökonomische Aussichten beenden und den Idealismus und das Interesse der Züchter wieder in den Fokus stellen.


Der Behälter der ersten Tage


Wenn es gelungen ist, die Larven aufzufangen, stellt sich die Frage wie sie gehalten werden müssen um sie zu füttern. Welche Bedürfnisse haben Larven bezüglich Futterdichte, Wasserbewegung, Wasserbelastung (Ammoniak), Keimzahlen, Licht usw. Das kann je nach Art sehr unterschiedlich sein und sich im Laufe der Zeit erheblich verändern.

Als universale Behältnisse haben sich zylindrische Gefäße für die meisten Tiere als beste Bauform geeignet. Die sogenannten Kreisel für Garnelen oder aber auch das, was ich verwende. Hier wird der Kontakt der Tiere zu Wandungen weitestgehend vermieden, welche von Bakterien besiedelt werden und für die Larven sehr schädlich sein können. Die Strömung bekommt man darin so gut hin, dass sich Zonen bilden, in denen die Tiere sich bevorzugt aufhalten. Es gibt keine Ecken, in denen die Tiere sich zurückziehen und dann verhungern usw. Die Behälter sind in der Regel relativ klein um die Futterdichte für die Larven einigermaßen hoch halten zu können. 2-5 Liter Volumen genügen die erste Zeit durchaus für die meisten Tiere.

Ob nun ein horizontaler oder ein vertikaler Kreisel benutzt wird, hängt nur zum Teil von den Arten ab, die gezüchtet werden- meist werden Erfahrungen bekannter Züchter nachgenutzt, wobei sich einige Vorlieben als Dogma etabliert haben. Im Prinzip spricht nichts dagegen solange die Wikprinzipien des Kreisels im Vordergrund stehen.

Betrachtet man die Kosten solcher Geräte so sind die runden Plexiglasbehälter bzw. die Plexiglasröhren in der Anschaffung recht teuer. Das ist ein Grund, warum ich achteckige Konstruktionen als Horizontalkreisel baue- ich kann sie jederzeit mit billigen Standartbauteilen herstellen. Ein kleiner Trick, falls man noch ungeübt mit Kleben von Plastik ist: Eine Fixierung mittels durchsichtigen Klebeband an der oberen und unteren Kante verhindert das Verschieben der Bauteile und später ein Aufreißen wenn der Behälter nicht auf einer ebenen Unterlage steht und befüllt ist. Das geht ganz schnell wenn viele kleine Behälter nebeneinander stehen, da biegt sich die Aufstellfläche! Übrigens kann man das auch mit größeren Aquarien machen, deren Silikonfugen etwas betagt sind...


Meine Behälter haben verschiedene Anschlüsse für die Versorgung mit Luft für die Wasserbewegung und Minifilter, (letzteres ist noch ein Relikt als es keine exterene Wasseraufbereitung gab); Zu- und Abläufe für Wasser und Futter. Von außen können die Behälter mittels Folie abgedunkelt werden, von oben kann dosiert Licht in den Behälter gelangen. Das ist wichtig, damit die Larven das Futter erkennen. Die richtige Futterbewegung ist ein Schlüsselreiz für den lange anhaltenden Fresstrieb. Wasserstand und Salzdichteschwankungen sind im Behälter kein Problem; die Flucht des Futters ist nahezu unmöglich obwohl ständig Wasser ausgetauscht wird. Die Futterzufuhr erfolgt mit (Lebendfutter) Automat für eine selektive Fütterung. Darauf gehe ich in einem späteren Abschnitt noch genauer ein.


In diesem Behälter dienen die drei seitlich angebrachten Rohre der Wasserableitung und Frischwasser Versorgung. Die Abläufe sind innen mit einem Filtervorsatz versehen. Dafür eignen sich z.B. die groben Sinterausströmer sehr gut, da sie einen hohen Wasserdurchsatz ermöglichen ohne das Zooplankton passieren zu lassen. Im Deckel befinden sich zwei Bohrungen für Luftzufuhr und dem Futterzulauf aus dem Automat. Die Luftzufuhr benötige ich für einen kleinen Innenfilter um Mulm abzuziehen und gleichzeitig wird eine Strömung erzeugt (Relikt- ich nenne es, weil es vielleicht jemand mal als Einzelgefäß ausführen möchte).


Generell lege ich heute großen Wert auf einen permanenten Wasserwechsel, so dass das Volumen im Aufzuchtbehälter mehrmals ausgetauscht wird. Dabei könnte man das Verhältnis von 200-300:1 technisch relativ einfach umsetzen und das ganze ohne dass man „Hand“ anlegen muss. Das Abwasser wird nicht verworfen sondern in einem zentralen Auffangbehälter aufbereitet und erneut dem Larvenkreisel zugeführt. In meinem Fall mittels Abschäumer, UV, Zeolith, Aktivkohle und Ozon, je nach Bedarf. Das hat den Vorteil, dass man Wasser und Salz spart, die Temperaturschwankungen stark minimiert und dennoch eine gute Wasserqualität bei überschaubaren Enegiekosten zur Verfügung stellt. Zuschlagstoffe wie Vitamine, Aminosäuren, eventuell Phytoplankton lassen sich in wesentlich niedrigerer Dosierung aber permanent anbieten, was den Larven sehr gut bekommt und Kosten spart. Das alles erleichtert und minimiert den sonst erforderlichen Arbeitsaufwand erheblich. Zudem kompensiert es Zeiten, in denen der Pfleger nicht zur Verfügung steht.

Das ganze muss man natürlich nicht so weit ausbauen wie ich das mache aber es gehört schon eine Menge Disziplin dazu alles per Hand zu machen und ist arbeitsintensiv; gelegentlich gibt es auch Salzflecken auf dem Teppich. Und was, wenn der Pfleger krank wird, in Urlaub fährt oder beruflich ein paar Tage nicht nach Hause kommt? Das alles ist nicht immer planbar und die ganze bisherige Arbeit war für die Katz. Unsere Seepferdchenzüchterin kann ein Lied davon singen!

Sind die Tiere dann etwas größer, steigt natürlich der Platzbedarf und es müssen für einige Arten Deckungsmöglichkeiten geschaffen werden. Die Behälter der ersten Tage sind zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zwingend erforderlich da die Larven nach der Metamorphose sehr viel beweglicher werden um aktiv ihr Futter zu erbeuten.



Futtermethoden, Automatisierung


Eine selektive Fütterung erfordert die erste Zeit etwas mehr Aufwand, weil die Größe der Futtertiere im Verhältnis zu Bau der Verdauungsorgane und der Größe der Larven steht und hier sorgfältig ausgewählt werden muss. Verschiedene Siebe sind daher bei Selektion unerlässlich aber das gilt nur bis die Entwicklung der Tiere so weit fortgeschritten ist, dass sie größere und andere Futtermittel aufnehmen und verdauen können.

Obwohl Larven und Jungtiere mehr Futter benötigen als adulte Tiere macht es wenig Sinn die Tiere „im Futter stehen“ zu lassen. Durch permanente Nahrungsaufnahme sinkt die Verweilzeit der Nahrung im Verdauungssystem und die Nahrung wird weniger gut aufgeschlossen; die Tiere entwickeln sich nicht so gut. Zudem steigt der Anteil unverdaulicher Bestandteile im Kot der Tiere und die Gefahr der Wasserbelastung sowie bakterieller Vermehrung steigt stark. Eine Intervall Fütterung ist daher die bessere Methode.

Kann man solch eine Futtermethode mit Lebendfutter vielleicht automatisieren? Ja, kann man! Bekommt man die Wasserbelastung in den Griff, wenn man das Lebendfutter in solchen Automaten bis zur Fütterung zwischenhältern muss? Auch das ist recht einfach möglich, ohne großem Aufwand! Ist der Aufwand zur Beschaffung und Betrieb für solche Anlagen überschaubar? Ja, auch das ist für einen Privatmann vertretbar! Kann man die Futtertiere in dem Automaten in guter Kondition (angereichert mit Futter, Zuschlagstoffen, Vitaminen) so lange halten (24 Stunden), dass ein Höchstmaß an Qualität bezüglich der Inhaltsstoffe aufrechterhalten wird, sie also keine entleerten Container darstellen? Auch hier ein klares Ja! Siehe Titelbild: Lebendfutterautomat


Futtertierzucht bedeudet zunächst einmal eine Massentierhaltung. Damit verbunden sind die Probleme wie Wasserbelastung, Keimzahlen, ausgewogene Ernährung usw. Das macht einigen Aufwand erforderlich um die Probleme in den Griff zu bekommen. Das Ziel ist ein qualitativ hochwertiges Futter für unsere Fische zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grund habe ich vergangenes Jahr einen Besuch eines Futtertierzuchtbetriebes unternommen, von wo wir die meisten der Tüten mit Lebendfutter bis zum Verkauf beim Einzelhändler beziehen. Dort werden Anlagen betrieben, die Dimensionen von mehreren Fußballfeldern haben. In erster Linie sind Nitrat und Phosphat bei der Futtertierzucht auf einen niedrigen Level zu halten. Hier wurden Methoden entwickelt, die natürlich auch in einem Kleinformat - bei entsprechender Umsicht - funktionieren. Nitratabsenkung erfolgt mittels Alkohol (eine Kohlenstoffquelle für Bakterien, nicht für die Mitarbeiter). Phosphat wird mittels Lanthanverbindungen gesenkt. Alternativ kann man auch Eisen- oder Aluminium Adsorber benutzen. Wobei Aluminium für tierische Gewebe nicht unumstritten ist! Wie erfolgreich diese Methoden auf die Vitalität des Lebendfutters wirken, sieht man, wenn man die Tüten betrachtet in denen die Futtertiere nach mehreren Tagen des Transportes verkauft werden. Zur Übetragung von Krankheitserregern wie Bakterien und Vibrionen wurden im Zuchtbetrieb in der Vergangenheit Antibiotika verwendet, die heute nicht mehr benutzt werden (nachprüfen konnte ich diese Aussage nicht). Weitere Ausführungen wurden vom Betreiber nicht gemacht außer dass man mit probiotischen Bakterien bzw. deren Stoffwechselprodukte experimentiert hat.


Nun das habe auch ich im Zusammenhang mit Artemiazucht und es gibt durchaus positive Aspekte. Probiotische Bakterien sind darum ein Wasserzusatz im Futterautomat und es kommt den Larven zu gute. Im Futterzuchtbehälter selbst wende ich andere Desinfektionsmaßnahmen an, so zum Beispiel verdünnte Peressigsäure. Besonders bei Artemia ist das empfehlenswert, wenn die Nauplien geschlüpft sind.


Doch nun zurück zur Automatenfütterung. In den Futterautomaten werden nun für die Tagesration die ausgewählten Futtertiere verbracht. Das vermeidet einen unerwünschten Anstieg an Stoffwechselprodukten wie in den Zuchtbehältern. Zusätzlich kommen noch Zuschlagstoffe in den Futterautomaten um die Futtertiere entsprechend zu konditionieren. Das könnten je nach Bedarf Phytoplankton, Bakterien, Aminosäuren, Hefen, Vitamine u.ä. sein. Ein Teil wird gefressen und im Futtertier aufkonzentriert und vorverdaut, ein Teil geht mit dem Wasser zu den Larven und wird in kürzester Zeit aus dem Larvenbehälter ausgespült, so dass auch hier kein Gammel entsteht (ich erinnere: Wasserwechsel 200:1/Tag). Die Futtertiere selbst können den Larvenbehälter nicht verlassen, da ein Sieb das verhindert. In den Futterautomat wird permanent Wasser zugeführt, etwa 2-3 Tropfen Wasser/Sek. Das Wasser ist das aufbereitete Wasser der Zuchtstation und ist im Kreislauf des Abwassers / Frischwassers der Larvenbehälter eingebunden. Nach umfangreichen Test mit verschiedenen Größen der Automaten konnte niemals Ammonium oder Ammoniak im Automaten nachgewiesen werden. Das bedeudet gefahrlose Larvenfütterung und im Umkehrschluss eine mögliche Erhöhung der Futterdichte oder eine Verkleinerung der Automatenbehälter. Und letztendlich das Funktionieren der Wasseraufbereitung der Zuchtstation.


Und wie funktioniert nun die Intervallfütterung mit dem Automat? Nun ganz einfach: Der Futterautomat besteht aus zwei Kammern. In der einen Kammer sind die Futtertiere, in die zweite Kammer werden durch die ständige Wasserzufuhr in die ersten Kammer ein Teil der Futtertiere eingespült. Die zweite Kammer hat eine selbsttätige Entleerung mittels einem Saugheber und die entleert sich in kurzer Zeit völlig, bis Luft in den Saugheber eintritt. Dann sorgt das nachlaufende Wasser aus dem ersten Behälter wieder für das Auffüllen, bis sich das Spiel wiedeholt. Die zweite Kammer hat nur ein Bruchteil des Volumens der ersten Kammer.


Damit das Einspülen der Futtertiere in die zweite Kammer gleichmäßig ist, wird in der ersten Kammer das Wasser bewegt (Tschechischer Luftheber) nicht mit Umwälzpumpen, wir wollen doch kein Futter schreddern! Das Verhindert zum Teil das Besiedeln der Wandungen durch Futtertiere (zum Beispiel Brachyonus o.ä.). Man kann das noch effektiver unterbinden, in dem man die Wandungen des Behälters dünn mit eine Silikonkleber bedeckt. Das Material ist abweisend gegen diese Organismen.

Letztendlich müssen auch solche Behälter mal gereinigt werden. Kein Problem, sie passen in den Geschirrspüler...


LG Dietmar